Kai und Annette

Bei dem Versuch, möglichst kurz zusammenfassen, was ich beruflich anbiete, bin ich von der eher allgemeinen „Beraterin für Kommunikation“ und „Lektorin“ irgendwann bei „Wegbegleiterin für Kommunikation und Publikationen“ angekommen. Spätestens seit ich mit Little World teils ehrenamtlich, teils auftragsweise arbeite, habe ich das Ganze noch ergänzt zu „Wegbegleiterin für Projekte in Sachen Kommunikation und Publikationen“.

Besonders kurz ist das allerdings nicht, Doch wie soll ich sonst Beratung und Begleitung beim digitalen Kommunizieren und Publizieren zusammenkriegen?

Eine andere Sprache finden

Eine Alternative wurde mir 2017 präsentiert, als ich während einer Beratungs-Auszeit mit Kai-Eric Fitzner gearbeitet habe. Der Oldenburger Schriftsteller und Berater für digitale Transformation ist seit 2015 aufgrund eines schweren Schlaganfalls Aphasiker. Das bedeutet, dass sowohl sein Sprachverständnis als auch seine Sprachproduktion gestört sind. Da ich schon vorher Erfahrungen mit Sprachstörungen gesammelt hatte, haben wir uns schnell eingegrooved. 

So wurde ich zu seiner Chronistin, belebte sein Blog wieder und lernte mit ihm zusammen, wie Kommunikation für ihn am besten funktioniert und wie nicht. Den ganzen Prozess haben wir – meist auf humoristische Weise – in seinem Blog dokumentiert. 

Dazu mussten wir viel miteinander sprechen, etwas das vielen Aphasikern fehlt, für ihre sprachliche Genesung aber sehr wichtig ist. Mit den Beiträgen über ihn haben wir so nicht nur Kai eine Stimme gegeben, sondern auch anderen Betroffenen und ihren Angehörigen geholfen, sich wieder besser miteinander verständigen zu können. Denn die psychosozialen Folgen von Aphasie sind mindestens so gravierend wie die physischen Auswirkungen eines Schlaganfalls.

Ein besonderer Titel

Zu Kais Aphasie gehört es auch, dass er mal klare Momente und mal Phasen „im Nebel“ hat, wie er das nennt. In einem dieser klaren Momente bedankte er sich bei mir und verlieh mir den Titel „Kommunikations-Katalysator“ – ein Begriff, den er normalerweise gar nicht hätte aussprechen können. Deshalb war das gleich doppelt was Besonderes für mich!

Seitdem erinnere ich mich immer wieder an diesen Titel. Denn meistens kommen die Menschen mit einer konkreten Einzelfrage zu mir, im Laufe der Arbeit mit mir werden ihnen aber immer größere Zusammenhänge und weiterführende Fragen bewusst. Dadurch nehmen sie in der Regel deutlich mehr aus unserer Zusammenarbeit mit als sie anfangs erwartet haben.

Auch dazu passt also der Begriff „Kommunikations-Katalysator“. Sowohl weil es inhaltlich um Fragen der Kommunikation geht, als auch weil wir die Antworten darauf im Gespräch erarbeiten. 

Soll ich das verwenden?

Trotzdem habe ich mich nicht getraut, den Begriff zu verwenden. Er macht neugierig, ja. Aber erklärt er besser, was ich mache, als „Wegbegleiterin für Projekte in Sachen Kommunikation und Publikationen“? Jemand hatte mir außerdem mal zurückgemeldet, der Begriff des Kommunikations-Katalysators sei zu intellektuell. Das hat mich ziemlich verunsichert.

Im Gespräch mit den Teilnehmenden bei Anna Koschinskis „28 Tage Content“ wurde ich kürzlich jedoch ermutigt, den Begriff auf dieser Website zu verwenden und in einem Blogbeitrag zu erklären.Das ist hiermit geschehen und er wird jetzt sowohl auf der Startseite als auch im Projektbeispiel mit Kai erwähnt.

Was gefällt Dir besser? Die „Wegbegleiterin für Projekte in Sachen Kommunikation und Publikationen“ oder der Kommunikations-Katalysator? Oder gibt es noch eine dritte Variante, auf die ich bloß noch nicht gekommen bin? 

Ich bin gespannt auf Deine Gedanken dazu.

Kommentare

5 Kommentare zu „Die Geschichte des Kommunikations-Katalysators“

  1. Liebe Annette,

    ich mag ja die Geschichten hinter den Worten oder sagen wir mal so, die Themen, die für solche Begriffe wegweisend waren. So war das bei mir mit Freiraumfrau, die dann zu meiner Wortmarke wurde. Und aus der Essenz meiner eigenen Geschichte würde ich die beiden Worte tauschen in „Katalysatorin für Kommunikation“.
    Was meinst du?
    Herzensgrüße.
    Angelika

  2. Lydia Gajewsky

    Liebe Annette,
    eine schöne, ausführlich Erklärung.
    Ob mir die „Wegbegleiterin …“ oder der „…-Katalysator“ besser gefällt?
    Nein.
    Die erste Variante ist sehr lang und benutzt Begriffe, die schon ziemlich „abgegriffen“ sind. Ich merke, dass mir beim Lesen der Bezeichnung die Aufmerksamkeit entgleitet und ich mehrmals nachlesen muss.
    Die zweite Variante ist kurz und überschaubar. Mir fehlt: das Weibliche. Die Wegbegleiterin ist weiblich. Der Katalysator ist männlich oder sachlich/technisch. Der weibliche Aspekt entschwindet. Das finde ich schade. Gerade Kommunikationsthemen profitieren von weiblichen Perspektiven.
    Aber ob du dich an ein Kunstwort wie „Kommunikations-Katalysatorin“ heranwagen magst ….?
    Ich bin gespannt wie die „Geschichte“ weitergeht. 😊

    1. Annette

      Das fällt mit der Antwort von Angelika zusammen. Das mit der weiblichen Form vergesse ich oft, weil mir das für mich nicht wichtig ist. Ich selbst fühle mich von den generisch männlichen Begriffen nicht ausgeschlossen. Als Kind wollte ich auch Astronaut oder Paläontologe/Archäologe werden, nicht …-in. Aber ich habe verstanden, dass es nicht allen so geht. Daher WegbegleiterIN. Aber was ist besse, oder gibt es was Drittes?

  3. Liebe Annette,
    oh, was für eine Frage! Kommunikation und Publikation sind Deine Themen, richtig?
    Wenn ich das Wort Katalysator höre oder lese denke ich zuerst an ein Auto. In diesem Zusammenhang habe ich es das erste Mal gehört und so abgespeichert. Das ist natürlich Quatsch. Kai hat es sicherlich im richtigen Zusammenhang verwendet.
    Für mich bist Du auch Dialogpartnerin mit all Deinem großen Wissen.

    1. Annette

      Danke, liebe Margaretha! Das mit der Dialogpartnerin steht in den Beschreibungen immer mal wieder drin, aber vielleicht müsste dasss stärker nach vorne?

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