Die Fähigkeit, digital kommunizieren zu können, wird längst als selbstverständlich vorausgesetzt. Dass es dabei aber auch um einen Kulturwandel geht, ist vielen nicht bewusst. Doch nur, wer diesen Kulturwandel begriffen hat und sich entsprechend verhält, kann mit den digitalen Möglichkeiten dauerhaft etwas Positives schaffen.

Leider hat sich vor allem in den letzten Jahren eine Zweckhaltung verbreitet, die diesen Kulturwandel ignoriert. Statt dessen wird der eigene Nutzen in den Vordergrund gestellt und in Zahlen gedacht. Doch das rächt sich früher oder später, denn das ist nicht die Art und Weise, wie Menschen, mit denen kommuniziert werden soll, behandelt werden möchten. Denn auch auf digitalem Wege gilt: Wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es auch heraus.

Geschäftliche Kommunikation

Gerade, wer geschäftlich kommuniziert, von dem wird erwartet, dass er online erreichbar ist. Und das nicht, um Eigenwerbung zu verbreiten, sondern um für Information und Fragen ansprechbar zu sein und um sich in die stattfindenen Gespräche einbringen zu können. Wenn das auf die richtige Weise geschieht, spricht es sich herum und sorgt damit für einen weitaus nachhaltigeren Werbeefffekt als es eine Anzeige je könnte.

Was nicht heißt, dass Online-Werbung unnötig wäre. Sie hat durchaus ihre Berechtigung – wenn man das entsprechende Budget dafür hat. Sie kann die digitale Kommunikation – gerade für bestimmte Kampagnen – ergänzen. Aber sie ist nicht das, worum es bei digitaler Kommunikation zuerst geht.

Denn bei digitaler Kommunikation sollte es immer um Gespräche von Menschen mit Menschen gehen! Und das auf hilfreiche und wertschätzende Art. Und gemäß der Regeln des jeweiligen Mediums.

Aufbau und Pflege einer Community, echte Gespräche und dabei hilfreich Kompetenz beweisen ergeben ganz organisch ein Reputationsmanagement, mit dem Konflikten vorgebeugt und im Notfall Krisen begegnet werden kann. Wer nur über sich postet, keine Fragen beantwortet und über andere hinweg rauscht, dem wird schnell ein eisiger Wind entgegenwehen.

Leider ignorieren dies viele, wundern sich dann über den mangelnden Erfolg und geben dem betreffenden Netzwerk die Schuld.

Umdenken erforderlich

Digitale Kommunikation erfordert jedoch ein Umdenken gegenüber der noch vom Leistungsgedanken und von Werbung und Marketingdenken geprägten Kommunikation in der Offlinewelt.

Im Grunde geht es um nichts anderes als ehrliches Weiterempfehlen – also die gute alte Mund-zu-Mund-Propanganda – nur eben auf digitalem Wege.

Wer richtig kommuniziert, dabei freundlich und hilfreich agiert, wird weiterempfohlen und bleibt eher im Gedächtnis als inhaltsleere Marketing-Schreihälse. Womit wir bei einem der wichtigsten Grundsätze der digitalen Kommunikation wären: Ohne ein gutes Produkt nützt auch die durchkomponierteste Onlinekampagne nichts. Oder kurz gefasst:

Auch digital kann man aus Scheiße kein Gold machen.

Das Umdenken liegt also nicht nur darin, sich auf die gute alte Kommunikation von Mensch zu Mensch zu besinnen, sondern auch darin, die Relevanz dessen, worüber kommuniziert wird, als Erstes zu sehen. Und zwar nicht die Relevanz für sich selbst, sondern die für die anderen!

Informationen, die für andere von Nutzen sind, selbsterklärend aufzubreiten, Zuhören, Fragen beantworten und Eingehen auf Feedback bilden die Basis. Ehrlich (!) Netzwerken, Zusammenarbeiten, einander Helfen und natürlich die entsprechend sinnvolle Verknüpfung mit der Offline-Kommunikation machen den Mix perfekt.

Auch digital ist real

Womit wir bei einem weiteren wichtigen Punkt angekommen wären: Mag das Internet in seinen Anfängen ein Ort für Nerds gewesen sein, in dem man sich unter erfundenen Namen jenseits der „realen Welt“ bewegte, so trifft dies auf die heutige digitale Kommunikation zum größten Teil nicht mehr zu.

Die Trennung von Online und Offline, also in digitale und analoge Welt, verschwimmt immer weiter seit das Internet mobil mit Alltags- und Arbeitsgegenständen verknüpft wird (Internet der Dinge) und die virtuelle Welt die analoge erweitert.

Innerhalb der Virtuellen Realität (VR) mag es natürlich Bereiche geben, in denen man sich in alternativen Welten jenseits des „realen Lebens“ bewegt (gerade beim Gaming). Vieles im Bereich VR dient aber wie schon gesagt zur Erweiterung eben dieser realen analogen Welt (Augmented Reality oder kurz AR). Wohin sich Web 3 und das Metaverse entwickeln werden, bleibt abzuwarten.

Die große Kunst besteht darin, digital und analog so miteinander zu verknüpfen, dass dabei der größtmögliche Nutzen für die Menschen entsteht.

Und das gilt nicht nur für die geschäftliche Kommunikation.

Gesellschaftliche Kommunikation

Gerade über gesellschaftliche Anliegen wird digital kommuniziert und diskutiert. Ob nun ausgehend von reiner Informationen entsprechender Institutionen oder mithilfe von Plattformen für Online-Petitionen oder in Dokumentationen durch einzelne Menschen in Krisensituationen. Über all das finden digital unzählige Gespräche statt. Dabei geht es leider oft nicht gerade sachlich zu.

Es bedarf einer klaren Netikette und konsequenter Moderation, um eine sachliche Gesprächsatmosphäre aufrecht zu erhalten.

Zum Glück dringt auch immer mehr durch, dass das Netz kein rechtsfreier Raum ist.

Wie schon die analoge wird natürlich auch die digitale Kommunikation genutzt, um Menschen zu desinformieren und gegeneinander aufzuhetzen. Umso wichtiger ist es, zu lernen, wie man seriöse Informationen von Fake-News oder bösartigen Nachrichten unterscheiden kann. Sowohl für einen selbst als Rezipienten, als auch für die Aufbereitung der eigenen Beiträge. Dabei gilt:

Die digitale Währung heißt Aufmerksamkeit!

Jede*r sollte also darauf achten, welche Beiträge man weiterempfiehlt oder auch nur verlinkt und welche nicht. Und auch in welchem Ton man kommentiert.

Denn wie schon Johannes Korten sagte:

Das Netz ist ein guter Ort, wenn wir es gemeinsam dazu machen.

Oder wie ich es formuliere:

Es geht um Menschen und Gespräche –
Digitale Kommunikation ist das, was wir daraus machen.

Weiterführende Links


Annette Schwindt

Weiterempfehlen via…